UDL als Rahmen für Inklusion: Neurodiversität und Lernen durch sensorisch-responsives Design verbinden

Was ist ein universelles Lerndesign?

Universelles Design für das Lernen (UDL) bildet die Grundlage inklusiver Bildung. Es handelt sich um ein evidenzbasiertes pädagogisches Rahmenkonzept, das die Gestaltung flexibler Lernumgebungen in den Mittelpunkt stellt. Diese ermöglichen allen Lernenden – unabhängig von ihren kognitiven, sensorischen, motorischen oder kommunikativen Fähigkeiten oder individuellen Unterschieden – Zugang, Teilhabe und Lernfortschritte. UDL wurde von der Organisation CAST entwickelt und basiert auf Erkenntnissen der Neurowissenschaften, die drei zentrale Lernnetzwerke beschreiben: das affektive Netzwerk (warum wir lernen), das Erkennungsnetzwerk (was wir lernen) und das strategische Netzwerk (wie wir lernen) (CAST, 2018; Meyer et al., 2014). Die aktuellen UDL-Richtlinien betonen zudem die Notwendigkeit, Lernbarrieren kontinuierlich abzubauen, indem flexible Methoden und Technologien eingesetzt werden, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen (CAST, 2024).

Universelle Designprinzipien für das Lernen

UDL wird durch drei miteinander verbundene Prinzipien umgesetzt:

  • vielfältige Möglichkeiten der Beteiligung,

  • vielfältige Darstellungsformen

  • vielfältige Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten.

Das erste Prinzip zielt darauf ab, die Motivation und emotionale Beteiligung der Schüler durch Wahlmöglichkeiten, Relevanz und angemessen angepasste Herausforderungen zu fördern. Das zweite Prinzip gewährleistet den Zugang zu Inhalten über verschiedene Modalitäten – visuell, auditiv und taktil –, was insbesondere für Lernende mit sensorischen Verarbeitungsstörungen wichtig ist (Texas Education Agency, 2025). Das dritte Prinzip ermöglicht es Schülern, ihr Wissen auf unterschiedliche Weise zu demonstrieren, beispielsweise durch den Einsatz von Assistenztechnologien und alternativen Kommunikationsformen (AlRawi und AlKahtani, 2021).

CAST (2024): Richtlinien für universelles Design für das Lernen, Version 3.0

Nachweise für die Wirksamkeit von UDL in der Bildungspraxis

Empirische Forschung bestätigt, dass die systematische und konsequente Umsetzung der UDL-Prinzipien zu signifikanten Verbesserungen der Lernergebnisse von Schülerinnen und Schülern führt. Guo und Wang (2025) berichten von einer Steigerung der akademischen Leistungen um 37,4 % bei Schülerinnen und Schülern in Umgebungen mit hoher UDL-Implementierung, wobei die größten Vorteile bei Schülerinnen und Schülern mit geringerer Ausgangsmotivation beobachtet wurden. Im Bereich der Bildung von Schülerinnen und Schülern mit Entwicklungsstörungen erweist sich UDL als wirksam zur Verbesserung der akademischen, sozialen und verhaltensbezogenen Kompetenzen dieser Lernenden, insbesondere bei kontinuierlichem Einsatz digitaler und multisensorischer Werkzeuge (AlRawi und AlKahtani, 2021).

SENcastle als multimodales sensorisch-pädagogisches System

SENcastle ist ein multimodales Gerät, das in Zusammenarbeit mit Therapeuten entwickelt wurde, um fünf Sinnessysteme – Sehen, Hören, Tasten, Tiefensensibilität und Gleichgewichtssinn – gezielt und individuell anzusprechen. Es umfasst Lichtelemente mit einstellbaren Farben, die Möglichkeit, Nachrichten und Töne aufzunehmen und wiederzugeben, sowie Vibrations-, Tiefensensibilitäts- und Tastkomponenten. Zusätzlich können individuell gestaltete Sinnesszenen erstellt werden. Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich SENcastle besonders für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung, ADHS und sensorischen Integrationsstörungen.

UDL-Prinzip der vielfältigen Repräsentationsmittel und SENcastle

Im Kontext des Universal Design for Learning (UDL) unterstützt SENcastle nachdrücklich das Prinzip der vielfältigen Repräsentationsformen, indem Inhalte durch eine Kombination aus visuellen, auditiven und taktilen Reizen vermittelt werden können. Die Anpassung von Intensität und Art der Stimulation ist besonders wichtig für Lernende mit erhöhter oder reduzierter sensorischer Empfindlichkeit (Texas Education Agency, 2025). Multisensorische Szenen und interaktive Elemente ermöglichen es den Lernenden, Inhalte über die für sie am besten zugängliche Modalität wahrzunehmen. Dies deckt sich mit Forschungsergebnissen, die zeigen, dass sensorisch angereicherte Umgebungen die Informationsverarbeitung und das Verständnis in inklusiven Klassenzimmern verbessern (Adams et al., 2025).

Vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten und SENcastle

SENcastle steigert die Lernmotivation durch individuell zugeschnittene, vorhersehbare und motivierende Sinnesaktivitäten. UDL betont die Bedeutung von Wahlmöglichkeiten, Selbstregulation und emotionaler Sicherheit, um ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Motivation aufrechtzuerhalten (CAST, 2024). SENcastle ermöglicht flexible Pausen, propriozeptive Tiefenwahrnehmung und beruhigende Sinnesszenen, die sich insbesondere für Lernende mit ADHS und Autismus als vorteilhaft erwiesen haben (Middletown Autism, 2024). Personalisierte Audiobotschaften und themenbezogene Aktivitäten reduzieren zudem Ängste und fördern die intrinsische Motivation der Nutzer (Kaltman, 2024).

Mehrere Handlungs- und Ausdrucksmittel und SENcastle

Als Kombination aus Assistenztechnologie und sensorischer Integration ermöglicht SENcastle Schülerinnen und Schülern, sich durch Berührung, Bewegung, die Aktivierung sensorischer Elemente und Ursache-Wirkungs-Interaktionen auszudrücken und Wissen zu demonstrieren. Unterstützt wird dies durch die unterschiedlichen Zugangs- und Steuerungsmöglichkeiten der verschiedenen SENcastle-Modelle. So ermöglicht beispielsweise SENcastle Access Rollstuhlfahrern die Nutzung der Tischversion von SENcastle und damit ein umfassendes sensorisches Erlebnis. Dieses Modell unterstützt zudem die Steuerung per Schalter und Blickkontakt und bietet somit ein hohes Maß an Inklusion und Barrierefreiheit. Diese Ausdrucksformen sind besonders wichtig für Schülerinnen und Schüler mit motorischen oder sprachlichen Schwierigkeiten, für die traditionelle Bewertungsmethoden oft eine Barriere darstellen (Kapil und Kaur, 2025). Die Integration von SENcastle in einen UDL-Ansatz fördert die Entwicklung von Selbstständigkeit, Kompetenzgefühl und sozialen Fähigkeiten – zentrale Ziele inklusiver Bildung (AlRawi und AlKahtani, 2021).

Die Zukunft der Integration von UDL und SENcastle

Die Integration von UDL und dem SENcastle-System stellt einen modernen, inklusiven Ansatz dar, bei dem sensorisch-pädagogische Hilfsmittel nicht ausschließlich für Schüler mit Entwicklungsstörungen vorgesehen sind, sondern fester Bestandteil des Lernumfelds für alle Lernenden sind. Dieser Ansatz trägt zu mehr Chancengleichheit im Bildungswesen bei, reduziert Stigmatisierung und fördert eine breitere Akzeptanz von Diversität unter den Schülerinnen und Schülern (Adams et al., 2025). Obwohl weitere Längsschnittstudien erforderlich sind, belegen die vorliegenden Erkenntnisse die wichtige Rolle von SENcastle bei der praktischen Umsetzung der UDL-Prinzipien (Guo und Wang, 2025).

Referenzen:

Adams, D., Dargue, N., Malone, S., Carroll, A. und Simpson, K. (2025): Besteht ein Zusammenhang zwischen sensorischen Aspekten der gebauten Schulumgebung und Lern- oder Wohlbefindensergebnissen bei autistischen Schülern? Eine systematische Übersicht. International Journal of Inclusive Education, 1-27.

AlRawi, JM und AlKahtani MA (2021): Universelles Design für das Lernen zur Förderung von Schülern mit intellektuellen Beeinträchtigungen: eine systematische Übersicht. International Journal of Developmental Disabilities, 68, 6, 800-808.

CAST (2018): Richtlinien für universelles Lerndesign Version 2.2. CAST Professional Publishing.

CAST. (2024): UDL-Leitlinien 3.0. https://udlguidelines.cast.org

Guo, P. und Wang, Z. (2025): Umsetzungstreue des universellen Designs für das Lernen und Auswirkungen auf Lernerfolg, Engagement und Zugehörigkeitsgefühl der Schüler. Scientific Reports, 15.

Kaltman, L. (2024): Universelles Design für das Lernen in der Sonderpädagogik. https://www.kaltmanlaw.com/post/what-is-udl-in-special-education/

Kapil Y. und Kaur, S. (2025): Integration assistiver Technologien in Unterrichtsstrategien für Lernende mit sensorischen Beeinträchtigungen: ein Ansatz des universellen Designs für das Lernen. International Journal Advanced Research, 13, 2, 1468-1472.

Meyer, A., Rose, DH, & Gordon, D. (2014): Universelles Design für das Lernen: Theorie und Praxis. CAST.

Middletown Autism (2024): Unterstützende sensorische Praktiken. https://early-years.middletownautism.com/sensory/supportive-sensory-practices/

Texas Education Agency. (2025): Richtlinien für Universelles Design für das Lernen (UDL). https://tea.texas.gov/academics/special-student-populations/special-education/universal-design-for-learning-udl-guidelines

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