Inklusion durch sensorische Innovation: Wie SENcastle neurodiverse Menschen stärkt
Was ist Neurodiversität?
Neurodiversität ist ein Konzept, das hervorhebt, wie neurologische Unterschiede zwischen Menschen – darunter Autismus, ADHS, Legasthenie, Dyspraxie, Tourette-Syndrom und andere neurologische Variationen – eine natürliche und wertvolle Dimension menschlicher Vielfalt darstellen. Die australische Soziologin Judy Singer prägte den Begriff 1998, um Menschen mit neurologischen Abweichungen von der Norm eine positive Identität zu verleihen.
Anders als das traditionelle medizinische Modell, das Neurodiversität oft als eine zu „behebende“ Störung betrachtet, betont der Ansatz der Neurodiversität die Anpassung von Umwelt und Gesellschaft, um Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen zu gewährleisten (Armstrong, 2010). Das Paradigma der Neurodiversität leugnet somit nicht die Herausforderungen, denen Menschen begegnen können; vielmehr fordert es einen umfassenderen gesellschaftlichen Wandel sowie die gleichberechtigte Anerkennung und Wertschätzung unterschiedlicher kognitiver Stile.
Wo findet das Konzept der Neurodiversität Anwendung?
Das Konzept der Neurodiversität findet zunehmend Anwendung in verschiedenen Lebensbereichen, darunter Bildung, Gesundheitswesen, Beschäftigung, Dienstleistungsgestaltung und Technologie. Im Bildungsbereich fördert es die Anwendung individualisierter Lehrmethoden, die den unterschiedlichen Lernstilen und kognitiven Profilen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden (Tomlinson, 2014). In der Wirtschaft hat sich Neurodiversität zu einem zentralen Thema im Kontext von Inklusion und Diversität am Arbeitsplatz entwickelt. So haben beispielsweise große globale Unternehmen spezielle Beschäftigungsprogramme für Menschen im Autismus-Spektrum entwickelt und deren Potenzial für analytische Aufgaben und komplexe Problemlösungen erkannt (Austin & Pisano, 2017).
Im Gesundheitswesen und in therapeutischen Kontexten dient Neurodiversität als Grundlage für die Entwicklung von Interventionen, die darauf abzielen, Individuen zu stärken, anstatt Abweichungen von standardisierten Normen zu korrigieren. Dadurch werden Stigmatisierungen reduziert und die Lebensqualität verbessert (Kapp, 2020).
Wichtigste neurodiverse Symptome
Neurodiverse Menschen weisen oft einzigartige kognitive Muster auf, die sich von denen neurotypischer Menschen unterscheiden. Dazu gehören beispielsweise Hyperfokus, der sich durch intensive Detailorientierung auszeichnet, alternative Wahrnehmungen der Welt durch sensorische Reize, originelle und unkonventionelle Problemlösungsansätze sowie ein hohes Maß an Kreativität (Baron-Cohen et al., 2009). So zeigen beispielsweise viele Menschen mit Autismus ausgeprägte Systematisierungsfähigkeiten und eine hohe Genauigkeit im analytischen Denken. Im Gegensatz dazu können Menschen mit ADHS außergewöhnliche Fähigkeiten in der schnellen Entscheidungsfindung und im kreativen Denken unter Druck besitzen (Dawson & Guare, 2010).
Diese Stärken gehen jedoch häufig mit neurodiversen Symptomen einher, die sich in Schwierigkeiten wie Aufmerksamkeitsregulation, emotionaler Selbstregulation, sensorischer Verarbeitung und Kommunikation in sozialen Interaktionen äußern können. Das Verständnis dieser spezifischen Merkmale ist unerlässlich, um allen Betroffenen wirksame Bildungs-, Therapie- und soziale Unterstützungsstrategien anbieten zu können (Happé & Frith, 2020).
Der Einfluss von Neurodivergenz auf die Alltagsfunktionalität
Diese Unterschiede können den Alltag erheblich beeinflussen. So stoßen neurodiverse Menschen beispielsweise häufig auf Barrieren in Bildung, Beruf, sozialen Interaktionen und im selbstständigen Leben. Kinder im Bildungssystem haben unter Umständen Schwierigkeiten, sich im Unterricht zu konzentrieren, verbale Anweisungen zu verstehen oder mit sensorischer Überlastung durch übermäßige Sinnesreize wie helles Licht, laute Geräusche oder unterschiedliche Oberflächenstrukturen umzugehen (Dunn, 2001).
Im Erwachsenenalter können sich Herausforderungen in Schwierigkeiten bei der Gestaltung komplexer sozialer Beziehungen, in schlechter Zeit- und Aufgabenorganisation oder in hohem Stressniveau in neuen und unvorhersehbaren Situationen äußern (Brown & Nicholas, 2012). Sensorische Empfindlichkeit, ob Über- oder Unterempfindlichkeit, kann den Alltag ebenfalls erheblich beeinträchtigen, von Unbehagen bei bestimmten Stoffen oder Lebensmitteln bis hin zu Stress bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (Baranek et al., 2006).
Herausforderungen in der Bildungs- und Therapiearbeit
Traditionelle pädagogische und therapeutische Ansätze vernachlässigen häufig die Komplexität neurodiverser Profile, was zu Ausgrenzung und emotionaler Frustration führen kann (Tomlinson, 2014). Standardisierte Lehrpläne, fehlende sensorische Unterstützung und begrenzte Flexibilität der Lehrmethoden bewirken, dass viele Schüler keine auf ihre tatsächlichen Bedürfnisse zugeschnittene Förderung erhalten. Dasselbe gilt für therapeutische Settings: Ansätze, die die individuellen sensorischen und kommunikativen Bedürfnisse außer Acht lassen, führen oft zu geringerer Beteiligung an geplanten Aktivitäten und einer insgesamt verminderten Effektivität.
Deshalb ist es unerlässlich, Umgebungen und Werkzeuge zu entwickeln, die Autonomie, Selbstregulierung und den Ausdruck individueller Interessen und Bedürfnisse fördern – genau hier zeigt SENcastle ein erhebliches Potenzial.
Wie kann SENcastle helfen?
SENcastle ist ein multisensorisches Gerät, das verschiedene Sinnesreize kombiniert und Assistenztechnologie integriert, um Lernen, Selbstregulation und Kommunikation optimal zu unterstützen. Es wurde für Kinder und Erwachsene mit Neurodiversität entwickelt. Dank seiner Anpassungsfähigkeit eignet es sich für ein breites Spektrum neurodiverser Nutzer. SENcastle kann helfen bei:
Regulierung der sensorischen Verarbeitung durch anpassbare Licht- und Schallreize (Ayres, 2005)
Entwicklung der Emotionsregulation mithilfe strukturierter sensorischer Szenarien (Schaaf & Mailloux, 2015)
Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentration durch strukturierte und vorhersehbare Aktivitäten (Critz et al., 2015)
Förderung der sozialen Interaktion durch Gruppenaktivitäten und die gemeinsame Nutzung eines einzigartigen und innovativen Sinnespalastes
Vorteile der Nutzung von SENcastle für neurodiverse Personen
Sowohl die Praxis als auch die Forschung bestätigen, dass Interventionen, die auf den Prinzipien der sensorischen Integration basieren, wie sie beispielsweise von SENcastle angeboten werden, die Aufmerksamkeit, die Emotionsregulation, die Lernbereitschaft und die Teilnahme an therapeutischen Aktivitäten deutlich verbessern können (Pfeiffer et al., 2011; Critz et al., 2015). Bei Kindern mit Autismus wird die Reduzierung von Stress und Angstzuständen während des Schultages als einer der häufigsten Vorteile genannt. Menschen mit ADHS können durch SENcastle eine bessere Aufmerksamkeitsorganisation unterstützen und Impulsivität reduzieren.
Für Nutzer mit Mehrfachbehinderungen ermöglicht SENcastle eine verbesserte Integration verschiedener sensorischer Reize und ein leichteres Verständnis von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, was zur Entwicklung kognitiver und kommunikativer Fähigkeiten beiträgt.
Die erzielten Ergebnisse deuten auf das hohe Potenzial von SENcastle als ein wichtiges Instrument hin, das wesentlich zum Wohlbefinden in allen Entwicklungsbereichen beitragen kann.
Eine inklusive Zukunft durch Technologie: SENcastle als Instrument zur Stärkung der Eigenverantwortung
Neurodiversität ist ein wichtiger Aspekt menschlicher Vielfalt, und der Einsatz von Technologien wie SENcastle kann wesentlich zu Inklusion, Selbstbestimmung und der Entfaltung des vollen Potenzials jedes Einzelnen beitragen. Geräte, die eine strukturierte, vorhersehbare und sinnesfreundliche Umgebung bieten, werden in Bildungs- und Therapieeinrichtungen immer wichtiger. SENcastle unterstützt nicht nur Lernen und Selbstregulation, sondern vermittelt auch ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle – wichtige Grundlagen für emotionales Wohlbefinden und eine verbesserte soziale Integration von Menschen mit Neurodiversität.
Referenzen:
• Armstrong, T. (2010): Die Kraft der Neurodiversität: Die Vorteile Ihres anders verdrahteten Gehirns nutzen. Da Capo Lifelong Books.
• Austin, RD, & Pisano, GP (2017): Neurodiversität als Wettbewerbsvorteil. Harvard Business Review, 95,3, 96–103.
• Ayres, AJ (2005): Sensorische Integration und das Kind. Western Psychological Services.
Baranek, GT, David, FJ, Poe, MD, Stone, WL & Watson, LR (2006): Sensory Experiences Questionnaire: Discriminating Sensory Features in Young Children with Autism, Developmental Delays, and Typical Development. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 47(6), 591–601.
Baron-Cohen, S., Ashwin, E., Ashwin, C., Tavassoli, T. & Chakrabarti, B. (2009): Talent im Autismus: Hypersystematisierung, Hyperaufmerksamkeit für Details und sensorische Hypersensibilität. Philosophical Transactions of the Royal Society B, 364, 1522, 1377–1383.
Brown, LJ, & Nicholas, DB (2012): Stärkenorientierte Betreuungsansätze bei Autismus: Nutzen und Herausforderungen in der Praxis. Journal of Developmental Disabilities, 18, 1, 35–43.
• Critz, C., Blake, K., & Nogueira, E. (2015): Sensorische Verarbeitungsstörungen bei Kindern. The Journal for Nurse Practitioners, 11, 7, 710–716.
Dawson, P., & Guare, R. (2010): Exekutive Funktionen bei Kindern und Jugendlichen: Ein praktischer Leitfaden zur Diagnostik und Intervention. Guilford Press.
• Dunn, W. (2001): Die Empfindungen des Alltags: Empirische, theoretische und pragmatische Überlegungen. American Journal of Occupational Therapy, 55, 6, 608–620.
• Happé, F., & Frith, U. (2020): Jährlicher Forschungsüberblick: Rückblick und Ausblick – Veränderungen in der Konzeptualisierung von Autismus im Laufe der Zeit. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 61, 3, 218–232.
• Kapp, SK (Hrsg.). (2020). Die autistische Gemeinschaft und die Neurodiversitätsbewegung: Geschichten von der Front. Palgrave Macmillan.
Pfeiffer, B., Koenig, K., Kinnealey, M., Sheppard, M. & Henderson, L. (2011). Wirksamkeit von sensorischen Integrationsinterventionen bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen: Eine Pilotstudie. American Journal of Occupational Therapy, 65(1), 76–85.
• Schaaf, RC, & Mailloux, Z. (2015). Leitfaden für Kliniker zur Implementierung der sensorischen Integration nach Ayres. American Journal of Occupational Therapy, 69(5), 6905185010p1–6905185010p10.
• Singer, J. (1998). Andersartige Menschen: Die Entstehung einer Gemeinschaft unter Menschen im Autismus-Spektrum. Bachelorarbeit, University of Technology Sydney.
• Tomlinson, CA (2014). Differenzierter Unterricht: Auf die Bedürfnisse aller Lernenden eingehen. ASCD.